Gut eine Woche nach Drucklegung der großformatigen Grafik in Anwesenheit des stellvertretenden US
Generalkonsuls Christopher Grossman kann sich der Holzschnittkünstler vor Anfragen kaum noch retten. Der Grund:
Die US-Nachrichtenagtur Associated Press ap hatte die Geschichte weltweit verbreitet. So haben fast alle
führenden US amerikanischen Zeitungen quer durch den Kontinent in großer Aufmachung von dem
deutschen Künstler berichtet, der soviel seiner künstlerischen Energie in ihren neuen Präsidenten investiert hat. Sogar in Singapur und Pakistan konnte man von der Holzschnittarbeit lesen.
Christ, dessen Arbeiten bisher nur lokale Beachtung zuteil wurde, kann es noch gar nicht fassen „Täglich erhalte ich vier bis fünf Anrufe und Mails aus aller Welt und alle wollen nur eines wissen: Kann man den „Obama“ noch erwerben,“ berichtet er. „Kaum jemand fragt nach dem Preis. Und wenn das so weitergeht, ist bald ein Drittel der Auflage verkauft“ Die hat er angesichts der Nachfrage von ursprünglich angedachten
5o Exemplaren auf 95 erhöht. Am Preis will er jedoch nicht rütteln: Für 520 Euro ist die Subskription derzeit zu haben, ab September gilt der reguläre Preis von 680 Euro.
Acht Exemplare des 110 x 140 cm großen Blattes sind bereits fest bestellt, doppelt soviel wie die
Kunstdruckerei Martin Kätelhön gerade einmal an einem Tag schafft. Denn nicht nur die Herstellung des Druckstocks durch den Künstler kostet viel Zeit und Geduld, auch der Druck selber ist aufwändige
Handarbeit. „Zwei Tage vorher muß ich die Papiere anfeuchten und nach dem Druck müssen die Blätter noch drei Tage zum Austrocknen in meiner Werkstatt liegen“ erläutert Kätelhön den außerordentlichen Zeitbedarf für seine Kunstproduktion.
Es sind bislang sechs Kunstliebhaber, die unbedingt einen „Obama“ von Christ haben wollen. Einige
darunter haben vor einem Jahr den US-Präsidentschaftskandidaten an der Berliner Siegessäule persönlich erlebt. Ein Kölner Geschäftsmann und Sammler hat die Grafik des Lichtbildners für seine Privatwohnung
vorgesehen. Sie soll später ihren Platz zwischen einem Miro und einem Balkenhol finden. Gleich drei Drucke auf einmal hat sich ein Verleger aus Thüringen fest zusagen lassen. Der umtriebige
Medienunternehmer plant bereits eine große Werkschau von Christs Arbeiten in Jena „noch in diesem Herbst“. Gleichzeitig hat er eine Buchproduktion über die Holzschnittarbeiten ins Auge gefaßt. Und aus Griechenland stammt die Anfrage eines privaten Kunstmuseums.