Ich möchte Sie heute nicht zu sehr mit Bildtheorien quälen, sondern nur an zwei kleinen Beispielen die Tragweite des Problems illustrieren.

In den 70er Jahren hat ein Videokünstler eine Performance durchgeführt, bei der Zuschauer vor einer weißen Wand saßen. Davor Videokamera und Monitor. Was zeigte das TV? Eine weiße Fläche…also nichts. Nachdem der Künstler mit viel Aufwand mit einem Presslufthammer die Wand vom Putz befreit hatte und der Staub sich gelegt hatte, zeigte der Bildschirm immer noch nichts. Innerhalb des Kameraausschnittes hatte der Videogauckler den weißen Putz stehen gelassen. Kurz: Völlig andere Verhältnisse, doch gleiches Bild. Ein Zuschauer zu Hause würde Stein & Bein schwören: da war doch nichts.

Das zweite Beispiel ist eins aus der Tierwelt: Zeigen Sie doch mal Ihrem Stubentiger das Hochglanzfoto einer Maus. Nichts, aber auch gar nichts wird sich bei Ihrem Chico regen. Warum? Weil dem Foto etwas Entscheidendes fehlt und für die Mietze ohne Realitätsbezug ist.
Nun werden Sie sagen, das ist doch ein Tier. Doch was machen wir mit einem solchen Foto? Dank unseres Geistes interpretieren wir in dieses Stück Papier...oder Bildschirm oder Kinoleinwand etwas, das erst einmal so nicht drin ist. Wir fügen etwas hinzu, machen etwas vollständig, ergänzen die unvollkommene Gestalt. An diesem Vorgang ist an sich nichts auszusetzen, das ist ein ständig sich wiederholendes Lebensprinzip.. aus Fragmenten eine Gestalt erkennen, aus Andeutungen das was der andere meint.

Meine Kritik, und deswegen mache ich mir die ganze  Arbeit, zielt auf die Undurchsichtigkeit dieses ständigen Vorgangs. Wir erlauben der Bilderwelt uns zu beeinflussen, wissen aber nicht, wie´s funktioniert. Viele wollen es auch nicht wissen.  Das ist so wie wenn der Verfassungsschutz die Leute abhört und ihnen auch im Nachhinein nichts sagt.

Doch ich möchte den Leuten schon etwas sagen, wenigstens das, was ich schon weiß. Das ist nicht besonders viel, zugegeben, und meine diesbezüglichen fotografischen Versuche aus der Vergangenheit haben gezeigt, wie schwer es ist an die Wahrheit zu kommen und noch schwerer, andere dafür zu interessieren.

Mein  erstes ernsthafte Experiment war eine Fotoserie von nahezu gigantischen Ausmaßen im Studio: 79 verschiedene Paare überließ für eine halbe Stunde einer automatischen Kamera, ohne als Fotograf anwesend zu  sein. Meine Fragestellung dabei war: Werden die Portraits besser, als wenn ich eingreifend dabei sein würde. Dankenswerterweise hat es mir damals der „Kunstraum Fuhrwerkswaage“ Jochen Heufelder ermöglicht, diese Riesensammlung in einem riesigen Raum, nämlich unter freiem Himmel, genauer 4 Wochen lang auf der Kölner Domvorplatz präsentieren zu können. Das ganze Experiment hat mich jedoch nicht besonders viel schlauer gemacht, es waren etwas andere Fotos als üblich herausgekommen und die Ausbeute an gelungenen Aufnahmen war etwas höher.

Auch der nächste Versuch blieb stecken. Mit einer speziell entwickelten Lichtquelle konnte ich Bewegungen farbig sichtbar machen, während unbewegte Teile weiß blieben. Der theoretische Hintergrund zu dieser Bildproduktion war noch komplizierter, als die Fragestellung, die ich nach wie vor habe und die da lautet: Wie kommt ein Bild aus bestehend aus Pixel, Papier oder Lichtpunkte als Realität in mein Bewusstsein. Wie macht das Bild das, was trage ich dazu bei?

Noch eben den dritten bisher vorletzen Versuch, dann geht’s ganz schnell zu den Holzschnitten.
Sie kennen alle diese Zigarrenkisten mit der Abbildung, auf der ein Buschkönig aus den Tropen dem Kolonialbeamten eine Zigarrenkiste darbietet, auf der ein Buschkönig abgebildet ist, der einem Kolonialbeamten eine Zigarrenkiste darbietet, auf der ein Buschkönig abgebildet ist…usw. solange bis alles so klein ist dass man nichts mehr sieht. So etwas wollte ich auch, nicht auf Zigarrenkisten, sondern wie im richtigen Leben fotografisch realisieren. Als Kolonialbeamte setzte ich bekannte Gesichter ein, der Wilde fiel weg und als Zigarrenkiste fungierte das Foto der jeweils letzten Portraitsitzung. Also ein Foto im Foto im Foto usw. Da wird die Frage nach der Realität doch schon


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