alleine und präsentierte die Ergebnisse 4 Wochen lang auf Plakatwänden vor dem Kölner Dom (-Paare-solo-) Mit diesem Experimenten wollte er prüfen, ob Bilder ohne Fotograf besser.. oder wahrer würden. Das Ergebnis war eigentlich niederschmetternd: Der Lichtbildner wäre eigentlich überflüssig.
Ein anderes Mal überredete er Prominente (deren Gesichter selbst schon Ikonografien sind) sich immer wieder von ihm fotografieren zu lassen, bei jeder Sitzung das Bild von der vorherigen in der Hand, so dass schließlich das Bild im Bild im Bild usw. entstand. Wenn man durch ein Foto die Wirklichkeit sieht, so war die Überlegung, was passiert denn, wenn diese Wirklichkeit nachweislich ein Foto ist, schaut man dann durch dieses, zweite Foto immer noch auf eine Wirklichkeit und was ist, wenn es sich dabei wiederum um ein Foto handelt durch das man eine weitere Wirklichkeit sieht, die wiederum ein Foto....usw
Auch diese Arbeiten setzte er nicht weiter fort; die Ergebnisse schienen ihm nicht attraktiv genug und nicht zu sagen, sie kamen etwas belanglos daher.
Je mehr Bewegung, um so mehr Farbe
Es folgte ein Ausflug ins Lichtexperiment: Als versierter Bastler entwickelte er eine Beleuchtungstechnik, die Bewegungen von weißen Objekten farbig erscheinen lassen, während die unbeweglich gebliebenen Teile ihre weiße Farbe behielten. Motto: Je bewegter, um so farbiger und das bei einer so statischen Angelegenheit wie der Fotografie. Auch hier kam Christ nicht weiter und beließ es bei den wenigen, wenn auch erfolgreichen Experimenten.
Die lange Vorgeschichte führt uns schließlich zu den Holzschnitten. Immer noch steht die Frage im Raum: Warum nehmen wir die Oberfläche eines Papiers mit verteilten Farbpigmenten als Modell der erlebten Wirklichkeit wahr, anstatt die Realität im rein stofflichen zu finden? Warum kümmert sich keine Katze um die Maus, die ihr auf einem Foto gezeigt wird? Und schließlich: Warum bezeichnen wir ein nachträglich manipuliertes Foto als Fälschung, wo doch das Foto selbst eine Fälschung darstellt.
Wir denken uns das Foto schön...schön realistisch
Diese eigentliche Fälschung liegt in der Reduktion der Wirklichkeit, im Weglassen. Ein Bild ist zweidimensional, es riecht nicht, es hat weder Vergangenheit noch Zukunft, kein Wind weht, keine Kälte läßt uns frieren und wenn wir es anfassen treffen unsere Finger auf Hochglanzoberfläche. Dennoch lebt es in uns auf als Realität, wir sind mittendrin im Gemetzel, in der Liebesnacht, auf dem Fernsehturm. So wie wir einen unvollständigen Kreis als Kreis behandeln, in einem -Lauflicht Bewegung sehen indem wir jeweils ergänzen, was uns fehlt, so denken wir uns auch das Foto schön...schön wirklich. In dem Zusammenhang ist es relativ belanglos, ob dieses Foto nachträglich retuschiert oder sonst wie manipuliert ist: gemessen an der eigentlichen Manipulation fallen so etwas wie nachträglich zugefügte Wolken nicht ins Gewicht.
Protest gegen die Glitterwelt der Bilder
Man kann schon von einer gewissen Protesthaltung gegen die Glitterwelt der modernen Fotografie- immer perfekter, immer -realistischer immer schöner sprechen, die in Jürgen Christ den teuflischen Plan reifen ließ, seine Bilder vorsätzlich und offen zu manipulieren, und sich dennoch die Echtheit der Fotos attestieren zu lassen. Obwohl die Fälschungen jetzt überdeutlich sind, werden die Abbildungen für bare Münze genommen. Perfekter kann man die heile Bilderwelt nicht vorführen. Christ hatte natürlich auch etwas an Eigentherapie gedacht, denn schließlich ist er selbst auch dem Wahn der Bilder verfallen.
Manipulieren heißt Hand anlegen. Mit ein wenig Veränderung war es ihm nicht getan, da mußte schon aufs Ganze gegangen werden. Nichts mehr sollte bleiben wie